Wie bereits > hier kurz berichtet, habe ich am 20.8.2011 Steffis und Bettys Hochzeit fotografisch begleitet. Nachdem ich die Bilder inzwischen ein wenig nachgearbeitet und mir vom Brautpaar das Placet (neudeutsch: »Gefällt mir«) eingeholt habe, will ich nun ein paar Bilder vom Tag zeigen und dies zugleich mit einem kleinen Bericht über ›Freud und Leid‹ des ersten Hochzeitstages als Fotograf verknüpfen.

 

Vor einer ganzen Weile las ich im Hochzeitskapitel eines Buchs über Porträtfotografie auf Platz 1 einer Liste von Tipps und Ratschlägen: »Wenn Sie gefragt werden, ob Sie eine Hochzeit fotografieren möchten, und es irgendwie geht – sagen Sie Nein!« Daran musste ich gleich denken, als Steffi mich vor einem halben Jahr fragte, ob ich ihr Hochzeitsfotograf sein wolle. Ich hatte zwar schon bei ein paar Hochzeiten im Freundeskreis fotografiert, aber es hatte immer auch einen richtigen Fotografen gegeben und ich hatte im Hintergrund zur eigenen Übung mitfotografiert. Von daher waren meine Hemmungen groß, dem Brautpaar den schönsten Tag des Lebens zumindest fotografisch zu versauen.

Andererseits reizte mich die Aufgabe auch. Obgleich meine Stärken, glaube ich, in anderen Bereichen als der Porträtfotografie liegen, sprach eigentlich nichts mehr dagegen, den Versuch zu wagen: Ich habe durch einige Porträt- und Band-Shootings inzwischen einige Erfahrungen in einem analogen Bereich sammeln können; Lichtführung mit Blitz und/oder Reflektor klappt inzwischen für den Hausgebrauch ganz leidlich und Equipment-Sorgen plagen mich ebenfalls nicht. Also über Bord mit den Bedenken und zugesagt! Dabei sollte meine Hauptaufgabe darin liegen, die Trauungszeremonie festzuhalten und anschließend das obligatorische Paar-Shooting sowie einige Aufnahmen mit Familie und Trauzeugen zu machen. Als Gast auf der anschließenden Feier habe ich natürlich auch noch ein paar Bilder aufgenommen, aber nur noch zu den »Hauptanlässen« (Anschneiden der Torte, Eröffnungstanz etc.).

Auch wenn ich im Vorfeld arbeitsbedingt wenig Zeit hatte, habe ich einige Wochen vor dem großen Tag ein Treffen mit dem Brautpaar gehabt, um zumindest einen kurzen Blick auf die Örtlichkeiten von Zeremonie und Feier zu werfen, damit ich mir ein Bild von den erwartbaren Lichtverhältnissen machen konnte.

Der Tag der Hochzeit begann für mich bei der Braut: Schminken, Ankleiden (natürlich erst am Schluss, versteht sich!), Schmuck anlegen – wunderbare Gelegenheiten für ein paar Impressionen und um sich schon ein wenig »einzuschießen«.

Steffi beim Anlegen der Ohrringe (mit Mamas Hilfe)
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Um den Bildern eine möglichst frische, luftige Anmutung zu geben, hatte ich bereits im Vorfeld beschlossen, viel mit Gegenlicht zu arbeiten, was ich – wie oben zu sehen – im Ankleidezimmer noch kurz in der Praxis ausprobieren konnte. Das meiste Licht fiel durch das Fenster hinter der Braut ein; mit einem indirekten Blitz brauchte ich dann nur noch die mir zugewandte Körperseite aufhellen.

Dank unseres verregneten Sommers war bis zum letzten Tag nicht sicher, ob die Zeremonie draußen im Park oder drinnen in einem Saal stattfinden würde. Mir wären aus rein fotografischer Sicht Außenaufnahmen bei leichter Bewölkung am liebsten gewesen, aber dem Brautpaar lachte an diesem Samstag das Glück und die Sonne gab wirklich alles! Und so stand ich auf einer Wiese, überall heller Sonnenschein, das Brautpaar unter einigen Bäumen, die unregelmäßige Schatten warfen – für meine Kamera der absolute »worst case« (aber toll fürs Auge)! Ich habe dann so belichtet, dass möglichst die Lichter im Brautkleid nicht ›ausfressen‹ und darauf vertraut, in den Schatten noch genug Reserven zu haben, um später in der Bearbeitung noch Zeichnung herauszuholen. Konkret sah dies dann so aus:

Vergleich Originalbild und Nachbearbeitung
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Ein weiteres Problem war für mich die Wahl der Brennweite. Einerseits wollte ich ein paar Detail- und Close-up-Aufnahmen machen, andererseits auch möglichst viel Ambiente einfangen und nicht aufgrund einer zu langen Brennweite etwas verpassen. Mehrere Objektivwechsel während der Zeremonie kamen ebenfalls nicht in Frage. Also habe ich zuerst das Tele-Objektiv genommen und während der Eröffnungsansprache hintereinander alle Detailaufnahmen gemacht, die mir in den Sinn kamen; danach habe ich auf mein Standard-Zoom gewechselt und konnte den weiteren Verlauf der Zeremonie ganz entspannt mitfotografieren. Zugleich habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und möglichst viel Sonnenlicht in die Aufnahmen eingebunden.

Gast mit Fächer
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Das Brautpaar gibt sich das Eheversprechen
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Nach dem Schluss der Zeremonie und einem kleinen Sekt-Umtrunk kam der Moment, vor dem ich mich den ganzen Tag gefüchtet hatte: das Paar-Shooting! Dies ist gleich mit mehreren Schwierigkeiten behaftet, denn man muss sich a) in möglichst kurzer Zeit b) auf eine nahezu unbekannte Location einstellen, c) für brauchbare Lichtverhältnisse sorgen, d) dabei viele mögliche Bildideen parat haben, e) wiederum gleichzeitig diejenigen des Brautpaares in Erfahrung bringen und einbeziehen und f) bei all dem noch einen entspannten Eindruck machen, um g) das Brautpaar – das jetzt noch ganz andere Dinge im Kopf hat – zu einer möglichst heiteren und ertragreichen Zusammenarbeit zu motivieren. (Von daher erklärt sich übrigens auch meine Skepsis, wenn in Foto-Foren Anfänger nachfragen, welches Objektiv man für Hochzeiten braucht oder wie man am besten den Blitz einstellt; wer sich bei einem Paar-Shooting auch darüber noch Gedanken machen muss, hat schon verloren …)

Die Paar-Aufnahmen erfolgten in zwei Etappen: Zuerst im nahe gelegenen und für Regen vorgesehenen Saal bzw. dem dortigen Treppenhaus. Dieser bot zum einen ein schönes Ambiente, zum anderen konnten wir so die Zeit sinnvoll überbrücken, während derer die Gäste den Park verließen, wo wir den zweiten Teil der Aufnahmen gemacht haben. Um das Risiko unbrauchbarer Aufnahmen möglichst gering zu halten, habe ich mich bei meiner ersten Hochzeit an »klassische« Posen und Einstellungen gehalten.

Im Saal habe ich wiederum das Licht des Fensters genutzt und mit einem indirekten Blitz aufgehellt. (Wieder einmal hat sich die Lektüre von Neil van Niekerks Blitz-Buch als unschätzbarer Vorteil erwiesen!) Ursprünglich hatten wir auf einer Treppe fotografieren wollen, mit der ich aber motivisch nicht recht umzugehen wusste. Dafür bildete das Hauptfenster einen sehr schönen Hintergrund.

Paarbild vor Fenster
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Es geht auch andersherum
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Brautpaar Nahaufnahme
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Auch im Park habe ich auf einen Mix aus Totale und halbnahen Aufnahmen gesetzt. Bereits vor der Zeremonie hatte ich die Frau des Trauzeugen dafür gewinnen können, den Reflektor zu halten; ich habe auch hier ganz bewusst in die Sonne fotografiert und dabei mit einem Goldreflektor die Schattenpartien aufgehellt.

Wieder in die Sonne fotografiert
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Der Klassiker
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Asymmetrisch männlich
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Asymmetrisch weiblich
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Nachdem wir die Paar-Aufnahmen in atemberaubender Kürze hinter uns gebracht hatten, ging es zum Ort der Feier, wo wir gleich zu Beginn noch die üblichen und unüblichen Aufnahmen mit Familie und Trauzeugen gemacht haben. Nachdem das Brautpaar nun schon seit Stunden lächeln musste, wirkten ihre Gesichter (verständlicher Weise) zunehmend gequält, sodass wir diesen Bildteil recht kurz gehalten haben, um ihre Wangenmuskulatur endlich zu erlösen.

Brautpaar mit Trauzeugen
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Damit war mein Teil eigentlich getan, und nun konnte ich mich endlich etwas entspannen. Besonders lange habe ich mich nachfolgend am Büffet aufgehalten – nicht aus Gefräßigkeit (es war noch nicht eröffnet), sondern aus motivischem Interesse. Vor einiger Zeit ist mir aufgegangen, dass der typische »Look« hochwertiger Nahrungsfotografie vor allem auch daher rührt, dass das Licht in der Regel von (oft auch schräg) hinten kommt. Also habe ich den Blitz nach oben hinter das Büffet gerichtet – und so ist es wirklich ein Kinderspiel, mit geringstem Aufwand anständige Essensbilder zu machen.

Kalte Platten
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Dessert
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Selbstverständlich habe ich auch zwischendurch immer wieder einmal die Kamera gezückt. Wie immer auf Feiern in Innenräumen habe ich mein Blitzgerät als Hauptlicht verwendet. Es traf sich gut, dass überall im Raum Tücher an den Wänden hingen, die von farbigen LED-Lampen angestrahlt wurden, sodass ich oft noch ein schönes Akzentlicht mit im Bild hatte. Außerdem brauchte ich durch diese extreme Mischlicht-Situation paradoxerweise keinen Farbfilter für das Blitzlicht zu verwenden, wie ich es bei normalem Kunstlicht (üblicherweise mit einer Farbtemperatur zwischen 2800 und 3400 °K) hätte machen müssen.

Das Anschneiden der Torte
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Zielen beim Brautstraußwerfen
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Und wenn mein kleiner Bericht den Eindruck erweckt hat, dass Hochzeitsfotografie richtige Arbeit ist: Dieser Eindruck ist vollkommen zutreffend! Ich war abends völlig durchgeschwitzt und kaputt. Aber es ist dennoch eine der angenehmsten Arbeiten, die sich denken lassen – vor allem, wenn es ein nettes Brautpaar ist, das in allem mitzieht!

 


Meiner einer bei der Arbeit
(fotografiert vom Bräutigam)

8 Kommentare zu “Mein erster Tag als »Hochzeitsfotograf«”

  1. PH sagt:

    Gelungener Bericht, gelungene Feier!!!! Man hat nicht den Eindruck eines ersten Mals.

  2. PH sagt:

    ups: gelungene Fotos natürlich auch ;-)

  3. Patrick sagt:

    Ein sehr angenehmer Bericht. Meinen Glückwunsch dazu :-)…
    Du vermittelst nicht nur einen sehr guten Eindruck vom den Dingen, auf die geachtet werden muss, sondern man kann auch den angenehmen Stress heraus lesen.
    Das man nebenbei noch viele hilfreiche Tips und Tricks erfährt, wie z.B. das Schwenken des Blitzes oder die Art der Belichtungsschwerpunkte um später noch gut bearbeiten zu können, ist meiner Meinung nach eine Kunst, die viele Menschen, die versuchen anderen etwas zu vermitteln, leider nicht beherrschen.
    Sehr angenehm zu lesen! Vielen Dank!
    Grüße aus Hamburg

  4. admin sagt:

    Vielen Dank euch beiden! :)

    Gruß Jens

  5. Marco sagt:

    Dem Vorredner ( schreiber) Patrick kann ich nur zustimmen.
    Dafür das du in der letzen Zeit arbeits- und wetterbedingt wenig Bilder im Blog gestellt hast( Paris ausgelassen) hab ich noch nie so einen ausführlichen,kompakten und lehrreichen Artikel über Hochzeitsfotografie gelesen.
    Die Bilder sind sehr schön anzusehen und man kann dem geschriebenen nachempfinden,sodas ich schon Angst hätte so etwas auch zu tun(Location und ganz wichtig Bildideen)
    Man könnte fast meinen hier postet ein Profi der aus dem Nähkästchen plaudert,was man in Foren nie sieht,nur Threads mit viel Brimborium wo man nichts lernt oder das Selbstwertgefühl des Bildmachers gepusht wird.
    Bei dir nicht so,ganz easy und locker.
    Lohnt sich für mich deine Seite öfter zu besuchen.
    Vielen Dank

  6. admin sagt:

    Besten Dank, wirklich sehr schmeichelhaft! :)

    Gruß Jens

  7. aggn sagt:

    Ich kann mich den andere eigentlich ebenfalls nur anschließen: Man hat wahrlich nicht den Eindruck, dass es sich bei diesem Hochzeitsshooting um dein “erstes Mal” handelt. Die Bilder wirken absolut souverän und auch dein Bericht zeigt, wie gut du auf deine Aufgabe vorbereitet warst und bei benötigter Improvisation das dafür notwendig Handwerkzeug beherrscht.
    Die Bilder sind einfach sehr, sehr gut gelungen und ich würde und werde dich in jedem Falle weiter empfehlen!

    BTW: Das Bild, mit dem du den Artikel verlinkt hast ist einsame Spitze. Kaum zu glauben, dass das nicht im Studio mit entsprechend längerer Vorbereitung entstanden ist!

    Viele Grüße
    aggn

  8. admin sagt:

    … sprach der Meister zum Schüler, der herzlich dankt! :)

    Ja, die Lichtsituation mit dem großen Fenster im Rücken der Braut und dem indirekten Aufhellblitz war wirklich optimal. Ich will bald (vermutlich übernächste Woche) mal versuchen, dies mit einer großen Octobox hinten und einer Softbox von vorne zu simulieren; bin sehr gespannt, ob das halbwegs hinhaut. Falls ja, gibt es die Ergebnisse natürlich wieder hier zu sehen.

    Wenn wir demnächst mal wieder ein gemeinsames Shooting auf die Beine stellen können, sollten wir uns auf jeden Fall intensiv mit Gegenlicht befassen — interessantes Licht beschäftigt mich derzeit fast mehr als die Motive selbst …

    Gruß Jens

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